In Gedenken an die Genossin Malke Schorr,

1. Vorsitzende der Roten Hilfe Österreich

Gewidmet den Kämpfer*innen für eine freie und solidarische Gesellschaft

Am 14. Jänner 2018 konstituierte sich der Verein „Rote Hilfe Wien – Solidaritätsorganisation.“ Es ist der 100. Jahrestag des Beginns des Jännerstreiks von 1918. In diesem forderten die Arbeiter*innen nicht nur eine bessere Versorgung, sondern auch das Ende des 1. Weltkrieges. Noch im selben Jahr wurde die Donaumonarchie hinweggefegt und die 1. Republik gegründet.

Bereits im Jahr 1919 ergab sich die Notwendigkeit der Schaffung einer Hilfsorganisation für die Opfer der Klassenjustiz, insbesondere nach der Niederschlagung der Räterepubliken in München und Budapest. Aus dem hierfür geschaffenen Revolutionären Roten Kreuz ging schließlich 1923 die Rote Hilfe Österreich hervor. In ihrer frühen Phase lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der Unterstützung politischer Geflüchteter aus Ländern wie Italien, Ungarn oder Jugoslawien, die vor den dort herrschenden autoritären oder faschistischen Regimen nach Wien flüchteten. Schnell wurde diese Unterstützung auch für die österreichische Arbeiter*innenschaft notwendig.

Nun nehmen wir, die Rote Hilfe Wien, am 18. September 2018 am Vorabend der Proteste gegen den EU Gipfel in Salzburg unsere Arbeit auf. Auch wenn sich Geschichte nicht wiederholt und die Zustände heute andere sind als in den 1920er Jahren, kommen wir nicht umhin, einen zunehmenden Drang zu autoritären Gesellschaftsmodellen zu beobachten. Vieles von dem, was gerade in Österreich nie ganz verschwunden war, ist heute wieder sag– und machbar. Die Abschottung nach Außen, die Festung Europa, die Bereitschaft und in Teilen sogar die Forderung, die Menschen im Mittelmeer elendig sterben zu lassen, schreitet zügig voran. Ebenso schnell entwickelt sich die Disziplinierung im Inneren unter dem Primat der „Inneren Sicherheit“. Mit Sorge beobachten wir die Aufrüstung und Militarisierung der Polizei und die zunehmende Bereitschaft weiter Teile der Bevölkerung, diese zu tolerieren oder aktiv mitzutragen.

Mit Blick auf all diese Entwicklungen erscheint es uns notwendig, Strukturen der Solidarität aufzubauen. Um all jene Menschen zu unterstützen, die aufgrund ihrer politischen Tätigkeit Nachteile erleiden: Die etwa den Arbeitsplatz verlieren, Berufsverbot erhalten, vor Gericht gestellt und zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt werden. Unter politischer Betätigung verstehen wir zum Beispiel das Eintreten für die Ziele der Arbeiter*innenbewegung, die Inter- und Antinationale Solidarität, den antifaschistischen, antisexistischen, antirassistischen, demokratischen und gewerkschaftlichen Kampf sowie der Kampf gegen Antisemitismus, Militarismus und Krieg.

Solidarität ist eine Waffe

Sie ist unser Zugang, Politik zu machen. „Ihr haftet nicht der Beigeschmack der Mildtätigkeit an, die in hochmütiger Selbstgerechtigkeit gewährt wird und stets die demütige Ergebenheit der Empfangenden erwartet. Sie wird gewährt und empfangen in dem Bewusstsein der Solidarität zwischen den Ausgebeuteten und Unterdrückten, gewährt von den für eine freie Zukunft Kämpfenden der ganzen Welt“ wie Clara Zetkin in der Broschüre zum fünfjährigen Bestehen der Internationalen Roten Hilfe 1928 in Moskau schrieb.

Was will die Rote Hilfe?

Wir als Rote Hilfe Wien haben das Ziel, eine strömungsübergreifende Solidaritätsorganisation zu sein. Wir wollen allen unter die Arme greifen, die wegen ihres politischen Engagements von staatlicher Repression betroffen sind. Organisationszugehörigkeit oder ideologische Ausrichtung sind dabei nebensächlich. Wir wollen damit anerkennen, dass emanzipatorische Bewegungen vielfältig und oft sehr unterschiedlich sind. Doch darin, dass wir für eine bessere Welt kämpfen und dafür von staatlicher Repression bedroht sind, besteht eine Gemeinsamkeit, die eine strömungsübergreifende Organisation notwendig macht.

Was tut die Rote Hilfe?

Neben politischer Unterstützung liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit bei der finanziellen Unterstützung. Prozesse kosten viel Geld und Kraft und enden oft mit hohen Strafen. Von diesen Kosten übernehmen wir im Regelfall und bei Einhaltung gewisser Kriterien die Hälfte. Mitglied werden können alle, die unser Anliegen teilen. Wenn ihr uns anderweitig unterstützen wollt, könnt ihr uns gerne kontaktieren oder in unsere Beratung kommen. Gleiches gilt natürlich für den Fall, dass ihr von Repression betroffen seid und selber Unterstützung braucht.

Es geht uns alle etwas an!

Hinein in die Rote Hilfe!

Wien, 18.9.2018

Zum Download: Gründungserklärung